Ethical Saving gUG

Ethical Saving gUG · gemeinnützig

Innovation, die Versorgung verbessert.

Wir entwickeln und unterstützen überprüfbare Lösungen für medizinische und gesellschaftliche Herausforderungen – mit Forschung, Technologie und einem klaren Fokus auf belastbare Evidenz.

Unsere Mission

Bessere Versorgung statt Einsparungen zulasten von Patienten.

Ethical Saving steht für die Idee, Ressourcen durch bessere Versorgung sinnvoller einzusetzen. Wenn neue Behandlungsansätze schwere Folgen verhindern oder reduzieren können, profitieren Betroffene – und langfristige Behandlungs-, Rehabilitations- und Pflegekosten können sinken.

Wissenschaft vor Versprechen.

Medizinische Innovation muss ihren Nutzen in geeigneten Studien zeigen. Deshalb unterscheiden wir klar zwischen Idee, technischer Machbarkeit, präklinischen Ergebnissen und klinisch belegtem Patientennutzen.

Prüfbar statt behauptet.

Wir wollen Innovation ermöglichen, ohne Evidenz zu überspringen. Genau deshalb verbinden wir technische Entwicklung mit wissenschaftlicher Prüfung und transparentem Umgang mit Unsicherheit.

Modellrechnung · Herzstillstand

Was bereits ein kleiner klinischer Effekt bedeuten könnte.

Dies ist keine Prognose für AIRCHILL, sondern eine transparente Szenario-Rechnung. Ausgangspunkt sind deutsche Registerdaten; die angenommenen Effekte von +1, +3 und +5 Prozentpunkten sind bewusst hypothetisch und müssen erst in klinischen Studien geprüft werden.

Kleiner Effekt

+1 Prozentpunkt

Bei rund 7.500 behandelten geeigneten Patienten pro Jahr entspräche das rechnerisch etwa 75 zusätzlichen Überlebenden mit gutem neurologischem Outcome.

Planungsszenario

+3 Prozentpunkte

Rechnerisch etwa 225 zusätzliche neurologisch gute Überlebende pro Jahr. Genau diese Größenordnung zeigt, warum ein kleiner absoluter Effekt gesellschaftlich relevant sein könnte.

Starker Effekt

+5 Prozentpunkte

Rechnerisch etwa 375 zusätzliche neurologisch gute Überlebende pro Jahr.

Signal-basierter Best Case · Registerstudie 2024

Eine große Analyse des Deutschen Reanimationsregisters mit 33.933 komatösen Erwachsenen nach Herzstillstand fand bei Behandlung mit milder therapeutischer Hypothermie eine adjustierte Assoziation mit gutem neurologischem Überleben (CPC 1–2) von OR 1,60 (95-%-KI 1,49–1,72). Überträgt man diese adjustierte Odds Ratio rein rechnerisch auf die beobachtete CPC-1/2-Rate der Nicht-MTH-Gruppe von 14,0 %, ergibt sich eine modellierte Rate von rund 20,7 % – also etwa +6,7 Prozentpunkte. In unserer illustrativen Zielpopulation von 7.500 Patienten entspräche das rund 500 zusätzlichen neurologisch guten Überlebenden pro Jahr. Bei der bisherigen Sensitivität von 25.000–75.000 € Bruttowert pro zusätzlichem guten Outcome läge die rechnerische Größenordnung bei etwa 12,5–37,5 Mio. € pro Jahreskohorte.

Nicht als Wirksamkeitsbeleg interpretieren: Die Studie war retrospektiv/observational, umfasste OHCA und IHCA, untersuchte MTH nach ROSC und keine präklinische AIRCHILL-Anwendung. Die rohe Gruppenrate lag bei 33,3 % versus 14,0 % CPC 1–2 (+19,3 Prozentpunkte), wird hier aber bewusst nicht als kausaler Effekt extrapoliert, weil sich die Gruppen in zahlreichen Prognosefaktoren unterschieden.

So entsteht die Zielpopulation.

Das Deutsche Reanimationsregister leitet für Deutschland mindestens rund 54.000 rettungsdienstlich behandelte außerklinische Herz-Kreislauf-Stillstände pro Jahr ab. Rund 21,5 % haben einen initial defibrillierbaren Rhythmus – etwa 11.600 Patienten jährlich. Für die Modellrechnung verwenden wir vorsichtiger nur rund 7.500 tatsächlich erreichbare Patienten als operative Planungsannahme.

Wichtig: Modell, nicht Wirksamkeitsbehauptung.

AIRCHILL wurde bislang bei 0 Patienten eingesetzt. Es gibt derzeit weder klinische Wirksamkeits- noch Patientensicherheitsdaten für AIRCHILL. PRINCESS war im primären Endpunkt neutral; positive Signale in Schockrhythmus- und Timing-Subgruppen sind hypothesengenerierend. PRINCESS2 prüft diese Fragestellung prospektiv weiter.

Gesundheitsökonomisches Beispiel für das +3-pp-Szenario

Wenn rein modellhaft die Hälfte der 225 zusätzlichen guten Outcomes einen Wechsel von schwerer neurologischer Behinderung (CPC 3–4) zu gutem Outcome (CPC 1–2) darstellt und man als europäischen Einjahres-Kostenanker eine Differenz von etwa 22.000–44.300 € pro verbessertem Verlauf verwendet, ergäbe sich eine Brutto-Größenordnung von rund 2,5–5,0 Mio. € im ersten Jahr. Das ist keine behauptete Einsparung für Deutschland: Interventionskosten, zusätzliche Überlebenskosten und die Übertragbarkeit aus europäischen Daten müssen in einer echten gesundheitsökonomischen Studie separat modelliert werden.

Quellen und Einordnung: Deutsches Reanimationsregister, öffentlicher Jahresbericht 2024; PRINCESS Randomized Clinical Trial; PRINCESS2 Studiendesign; TTM2; europäische Kostenanalysen zu neurologischem Outcome nach Herzstillstand. Die Effektannahmen +1/+3/+5 Prozentpunkte und die operative Reichweite von 7.500 Fällen sind Szenarioannahmen von Ethical Saving, keine klinischen Befunde.

Modellrechnung · Schlaganfall

Was ein kleiner Zusatznutzen bei Thrombektomie bedeuten könnte.

Auch diese Rechnung ist eine Szenarioanalyse und keine Wirksamkeitsprognose für AIRCHILL. Als nationalen Größenanker verwenden wir die 18.809 mechanischen Thrombektomien, die in einer deutschlandweiten administrativen Auswertung für 2022 berichtet wurden. Nicht alle diese Patienten wären für eine zusätzliche frühe Kühlstrategie geeignet; die tatsächliche Zielpopulation müsste in einem klinischen Entwicklungsprogramm separat definiert werden.

Kleiner Effekt

+1 Prozentpunkt

18.809 × 1 % ≈ 188 zusätzliche Patienten pro Jahr mit gutem funktionellem Outcome (mRS 0–2), falls eine zukünftige randomisierte Studie einen absoluten Zusatznutzen von einem Prozentpunkt zeigen würde.

Planungsszenario

+3 Prozentpunkte

18.809 × 3 % ≈ 564 zusätzliche Patienten pro Jahr mit mRS 0–2. Das ist keine erwartete AIRCHILL-Wirkung, sondern eine Sensitivitätsrechnung für die Größenordnung eines möglichen Systemeffekts.

Starker Effekt

+5 Prozentpunkte

18.809 × 5 % ≈ 940 zusätzliche Patienten pro Jahr mit mRS 0–2 unter denselben Modellannahmen.

Signal-basierter Best Case · COTTIS 2026

In der kleinen COTTIS-Matched-Pair-Analyse erreichten 68,2 % (15/22) der hypotherm behandelten Patienten gegenüber 29,5 % (13/44) der gematchten Standardbehandlungsgruppe nach 90 Tagen mRS 0–2. Das entspricht einem beobachteten absoluten Unterschied von +38,7 Prozentpunkten und einer unadjustierten Odds Ratio von 5,1 (95-%-KI 1,69–15,38). Würde man dieses Signal rein mathematisch auf den deutschen Systemrahmen von 18.809 Thrombektomien übertragen, ergäben sich rund 7.279 zusätzliche Patienten mit mRS 0–2 pro Jahr. Mit unserer gesundheitsökonomischen Sensitivität von 15.000–35.000 € pro zusätzlichem guten funktionellen Outcome entspräche das einer Brutto-Größenordnung von etwa 109–255 Mio. € pro Jahreskohorte.

Das ist ausdrücklich ein Best-Case-Signal, keine Prognose: COTTIS war eine monozentrische Matched-Pair-Analyse mit nur 66 Patienten und nicht randomisiert. Die Autoren bezeichnen die Effektgröße selbst als überraschend hoch und fordern randomisierte Bestätigung. Außerdem wurde ein anderes Kühlverfahren eingesetzt; daraus lässt sich keine AIRCHILL-Wirkung ableiten, und die reale geeignete Zielpopulation wäre kleiner als alle deutschen Thrombektomien.

Warum mRS 0–2?

Beim Schlaganfall ist funktionelle Unabhängigkeit ein belastbareres patientenrelevantes Ziel als eine isolierte Mortalitätsrechnung. Die modified Rankin Scale bildet ab, ob ein Patient nach 90 Tagen selbstständig bleibt oder mit relevanter Behinderung lebt. Eine zusätzliche Kühlstrategie müsste deshalb in erster Linie einen Vorteil im funktionellen Outcome oder in einer mRS-Shift-Analyse zeigen.

Eine aktuelle europäische Kostenanalyse zeigt außerdem einen starken Kostenanstieg mit zunehmender Behinderung: im ersten Jahr lagen die gesellschaftlichen Kosten bei etwa 18.568 € für mRS 0–2 gegenüber 52.859 € für mRS 4–5. Die Differenz von rund 34.300 € ist ein Kostenanker – aber nicht jeder zusätzliche gute Outcome entspricht einem direkten Sprung von mRS 4–5 auf mRS 0–2.

Die Kühl-Evidenz ist noch nicht entscheidend.

COTTIS zeigte zunächst die Machbarkeit einer schnell eingeleiteten milden Hypothermie bei intubierten Patienten mit Large-Vessel-Occlusion vor Thrombektomie. Eine kleine Matched-Pair-Analyse aus 2026 berichtete ein starkes Outcome-Signal, das die Autoren wegen der kleinen Stichprobe und überraschend großen Effektstärke ausdrücklich kritisch einordnen. Die randomisierte COTTIS-2-Studie rekrutiert weiter und soll die Wirksamkeitsfrage prospektiv beantworten. Diese Studien untersuchen andere Kühlverfahren und belegen keine AIRCHILL-Wirkung.

Gesundheitsökonomische Sensitivität

Um die Kosten nicht zu überschätzen, rechnen wir nicht pauschal mit der vollen Differenz zwischen mRS 0–2 und mRS 4–5, sondern mit 15.000–35.000 € Bruttowert pro zusätzlichem guten funktionellen Outcome im ersten Jahr. Daraus ergäben sich rein modellhaft: bei +1 Prozentpunkt etwa 2,8–6,6 Mio. €, bei +3 Prozentpunkten 8,5–19,7 Mio. € und bei +5 Prozentpunkten 14,1–32,9 Mio. € pro Jahreskohorte. Davon müssten Interventions-, Personal-, Transport-, Komplikations- und zusätzliche Überlebenskosten abgezogen werden.

Quellen: deutschlandweite administrative Schlaganfallauswertung 2016–2022 mit 18.809 mechanischen Thrombektomien im Jahr 2022; COTTIS-Pilotstudie; COTTIS-Matched-Pair-Analyse 2026; Deutsches Register Klinischer Studien DRKS00031086 (COTTIS-2); European Stroke Journal, Kosten nach 90-Tage-mRS. AIRCHILL: bislang 0 behandelte Patienten, keine klinischen Wirksamkeits- oder Patientensicherheitsdaten.

Modellrechnung · Neugeborenen-HIE

Frühe Kühlung ist hier bereits Standard – die offene Frage ist der noch frühere Start.

Bei moderater bis schwerer hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie (HIE) von reifen bzw. nahezu reifen Neugeborenen ist therapeutische Hypothermie eine etablierte neuroprotektive Behandlung. Sie soll innerhalb der ersten 6 Lebensstunden begonnen und typischerweise über 72 Stunden kontrolliert durchgeführt werden. Für Ethical Saving ist deshalb nicht die Frage, ob Kühlung grundsätzlich wirkt, sondern ob ein künftiges, separat validiertes Transport-/Frühkühlkonzept die Behandlung schneller und zuverlässiger beginnen könnte.

Deutscher Größenrahmen

2025 wurden in Deutschland 654.241 Kinder lebend geboren. Für HIE wird in Industrieländern häufig eine Inzidenz von etwa 1,5 pro 1.000 Lebendgeburten berichtet. Als transparenter oberer Systemrahmen ergibt das rund 980 HIE-Fälle pro Jahr. Die tatsächlich für therapeutische Hypothermie geeignete Gruppe ist kleiner, weil Gestationsalter, Schweregrad, Zeitpunkt, Diagnostik und Kontraindikationen berücksichtigt werden müssen.

Inkrementelles Szenario

+1 Prozentpunkt

Wenn ein zukünftiges Transport-/Frühkühlkonzept gegenüber heutiger Standardversorgung einen zusätzlichen absoluten Vorteil von 1 Prozentpunkt bei Überleben ohne moderate/schwere neurodevelopmentale Beeinträchtigung zeigen würde, entspräche das im 980er-Systemrahmen rechnerisch etwa 10 zusätzlichen günstigen Outcomes pro Jahr.

Planungsszenario

+3 Prozentpunkte

Rein rechnerisch etwa 29 zusätzliche günstige Outcomes pro Jahr. Dieser Effekt ist nicht belegt und dient nur als Sensitivitätsannahme für eine mögliche Verbesserung gegenüber bereits etablierter Kühlbehandlung.

Starker Effekt

+5 Prozentpunkte

Rein rechnerisch etwa 49 zusätzliche günstige Outcomes pro Jahr im oberen Systemrahmen.

Etablierter Wirksamkeitsanker – nicht AIRCHILL

In der NICHD-Randomized-Trial-Studie mit Neugeborenen ≥36 Schwangerschaftswochen und moderater/schwerer HIE trat Tod oder moderate/schwere Behinderung bei 44 % unter Ganzkörperkühlung gegenüber 62 % unter Standardversorgung auf – ein absoluter Unterschied von 18 Prozentpunkten. Auf 980 Fälle übertragen wären das mathematisch rund 177 vermiedene Fälle von Tod oder moderater/schwerer Behinderung. Diese Rechnung beschreibt den historischen Nutzen etablierter neonataler Hypothermie gegenüber Nicht-Kühlung und darf nicht als zusätzlicher Nutzen eines neuen Geräts interpretiert werden.

Warum Transport trotzdem relevant sein kann

Bei auswärts geborenen Kindern kann der Transport Zeit kosten. Eine Kohortenstudie zeigte, dass aktive Kühlung während des Transports die Zieltemperatur im Mittel rund 77 Minuten früher erreichte. Für langfristige neurologische Vorteile eines bestimmten Transportkühlsystems gibt es aber noch keinen belastbaren Wirksamkeitsnachweis. Eine pädiatrische Anwendung würde ein eigenständiges Entwicklungs-, Sicherheits-, Dosierungs- und Zulassungsprogramm benötigen.

Lifetime-Kosten-/QALY-Modell · bewusst als Sensitivität

Für schwere bleibende neurodevelopmentale Behinderung gibt es keinen einzelnen deutschen HIE-Lifetime-Tarif. Als belastbaren europäischen Anker verwenden wir deshalb zwei Ebenen: Eine registerbasierte dänische CP-Studie ermittelte bereits in historischen Euro diskontierte attributable Lifetime-Kosten von rund 0,80–0,86 Mio. € pro Person. Eine aktuelle spanische populationsbasierte CP-Analyse in 2023-Euro berichtet im Kindesalter durchschnittlich rund 102.000 € gesellschaftliche Kosten pro Jahr; bei schwerer motorischer Beeinträchtigung lagen die Kosten fast doppelt so hoch. Für die Modellrechnung setzen wir daher bewusst breit 0,8–2,0 Mio. € gesellschaftliche Lifetime-Belastung pro vermiedener schwerer Behinderung an. Das ist eine Sensitivität, kein deutscher Erstattungssatz.

Damit Tod und Behinderung nicht vermischt werden, nehmen wir zusätzlich an, dass nur 50–100 % der zusätzlichen günstigen Outcomes tatsächlich einen Wechsel von moderater/schwerer lebenslanger Behinderung zu einem deutlich besseren funktionellen Verlauf darstellen. Unter diesen Annahmen ergibt sich pro Geburtsjahrgang:

+1 Prozentpunkt

3,9–19,6 Mio. €

Bei rund 10 zusätzlichen günstigen Outcomes entsprächen etwa 5–10 davon modellhaft vermiedener schwerer Behinderung. Daraus ergeben sich rund 34–167 zusätzliche diskontierte QALYs.

+3 Prozentpunkte

11,8–58,8 Mio. €

Bei rund 29 zusätzlichen günstigen Outcomes entsprächen etwa 15–29 davon modellhaft vermiedener schwerer Behinderung. Daraus ergeben sich rund 103–500 zusätzliche diskontierte QALYs.

+5 Prozentpunkte

19,6–98 Mio. €

Bei rund 49 zusätzlichen günstigen Outcomes entsprächen etwa 25–49 davon modellhaft vermiedener schwerer Behinderung. Daraus ergeben sich rund 172–833 zusätzliche diskontierte QALYs.

Wie die QALY-Spanne entsteht

Für Cerebralparese wurden Nutzenwerte von etwa 0,84 bei GMFCS I, 0,50 bei II, 0,16 bei IV und −0,08 bei V berichtet. Wir verwenden daraus keinen direkten Krankheitswert für HIE, sondern nur eine konservative Sensitivität von 0,3–0,6 Utility-Punkten Unterschied über 40–60 Jahre bei 3 % Diskontierung. Das entspricht grob 7–17 QALYs je vermiedener schwerer Behinderung. QALYs sind kein Euro-Sparbetrag und werden hier nicht monetarisiert.

Als deutscher Budgetanker zeigt allein die Pflegeversicherung bereits relevante Größenordnungen: 2026 liegen ambulante Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 4 bei bis zu 1.859 € und bei Pflegegrad 5 bei bis zu 2.299 € pro Monat – noch ohne medizinische Versorgung, Hilfsmittel, Eingliederungshilfe, Sonderpädagogik, informelle Pflege und Produktivitätsverluste der Familie. Nicht jedes Kind mit HIE erreicht diese Pflegegrade; der Vergleich dient nur der Größenordnung.

Quellenrahmen: Statistisches Bundesamt 2025; epidemiologische HIE-Daten; NICHD Neonatal Research Network, NEJM 2005; Regier et al., Value in Health 2010; Kruse et al., Developmental Medicine & Child Neurology 2009; Nova-Díaz et al., Cost Effectiveness and Resource Allocation 2026; NICE-Health-Economics-Modell zu Cerebralparese; Bundesgesundheitsministerium, Pflegeleistungen 2026; Studien zur therapeutischen Hypothermie während des neonatalen Transports. AIRCHILL ist derzeit nicht für Neugeborene validiert und diese Indikation ist kein aktueller Produktclaim.

Modellrechnung · Hitzschlag

Bei Hitzschlag zählt Geschwindigkeit – aber „Hitzetote“ sind nicht gleich Hitzschlagpatienten.

Hitzschlag ist ein akuter medizinischer Notfall mit schwerer Hyperthermie und neurologischer Dysfunktion. Die von der ILCOR First Aid Task Force veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit empfiehlt bei belastungsbedingtem Hitzschlag sofortige aktive Kühlung; Ganzkörper-Wasserimmersion erreichte in den untersuchten Daten die höchsten Kühlraten. Für klassischen, nicht belastungsbedingten Hitzschlag war die Evidenz zu einer bestimmten Kühlmethode zu schwach für eine Empfehlung.

Pro 100 schwere Fälle

+1 Prozentpunkt

Ein zukünftiger zusätzlicher absoluter Überlebensvorteil von 1 Prozentpunkt entspräche rechnerisch 1 zusätzlichem Überlebenden pro 100 vergleichbaren schweren Hitzschlagpatienten.

Planungsszenario

+3 Prozentpunkte

Rechnerisch 3 zusätzliche Überlebende pro 100 schweren Hitzschlagpatienten. Eine nationale Hochrechnung wäre derzeit nicht seriös, weil für Deutschland keine belastbare Zahl der tatsächlich schweren, für ein zusätzliches präklinisches Kühlverfahren geeigneten Hitzschlagfälle vorliegt.

Starker Effekt

+5 Prozentpunkte

Rechnerisch 5 zusätzliche Überlebende pro 100 schweren Hitzschlagpatienten. Dieser Wert ist eine reine Sensitivitätsannahme, kein AIRCHILL-Effekt.

Signal-basierter Best Case · schwere Hitzeerkrankung

In einem prospektiven japanischen Multicenter-Register mit 809 auswertbaren Patienten lag bei den 231 schweren Fällen die Krankenhausmortalität unter aktiver Kühlung plus Rehydrierung bei 21,5 % gegenüber 35,5 % unter alleiniger Rehydrierung – ein beobachteter absoluter Unterschied von 14 Prozentpunkten. Nach multivariater Adjustierung war alleinige Rehydrierung gegenüber aktiver Kühlung mit höheren Sterbe-Odds assoziiert (aOR 3,29; 95-%-KI 1,21–8,90). Rein als Signal übersetzt wären das ungefähr 14 zusätzliche Überlebende pro 100 vergleichbaren schweren Patienten.

Keine Kausalprognose: Die Studie war observational, die Kühlverfahren waren heterogen und sie untersuchte nicht AIRCHILL. Der 14-Punkte-Unterschied ist deshalb ein signalbasierter oberer Szenariorahmen, kein erwartbarer Produkteffekt.

Deutscher klinischer Größenrahmen

Destatis berichtet für 2003–2023 im Durchschnitt gut 1.400 stationäre Behandlungen pro Jahr wegen Schäden durch Hitze und Sonnenlicht; 2023 waren es gut 800 Fälle. Dazu zählen neben Hitzschlag auch Sonnenstich und andere T67-Diagnosen. Als unmittelbare Haupttodesursache wurden 2023 37 Todesfälle durch Hitze und Sonnenlicht registriert; der langjährige Durchschnitt lag bei 22 pro Jahr. Diese Zahlen sind deshalb nur ein breiter Versorgungsrahmen und keine AIRCHILL-Zielpopulation.

Hitzebedingte Mortalität ist deutlich größer – aber anders definiert.

Das Robert Koch-Institut schätzte für Deutschland sowohl 2023 als auch 2024 jeweils rund 3.000 hitzebedingte Sterbefälle; in besonders heißen Jahren wie 2018 und 2019 lagen die Schätzungen jeweils über 7.000. Der größte Teil dieser Todesfälle entsteht jedoch durch die Kombination aus Hitze und Vorerkrankungen und wird nicht als Hitzschlag diagnostiziert. Deshalb dürfen diese Tausenden Todesfälle nicht als klinisch behandelbare Hitzschlagkohorte oder als mögliche AIRCHILL-Rettungszahl dargestellt werden.

Was die verlinkte Resuscitation-Analyse tatsächlich unterstützt

Die systematische ILCOR-Übersicht zeigt, dass bei belastungsbedingtem Hitzschlag sofortige aktive Kühlung entscheidend ist. Ganzkörper-Wasserimmersion war im Mittel schneller als passive Kühlung und viele andere untersuchte Methoden. Wenn Wasserimmersion verfügbar ist, wäre ein zukünftiges respiratorisches Kühlsystem deshalb kein Ersatz, sondern allenfalls eine ergänzende Option in ausgewählten schweren beziehungsweise intubierten Fällen oder dort, wo etablierte Ganzkörperkühlung nicht praktikabel ist. Für klassischen Hitzschlag ist die Evidenz zur optimalen Methode weiterhin sehr niedrig.

Quellenrahmen: Douma et al., Resuscitation 2020 / ILCOR First Aid CoSTR; Kanda et al., PLOS ONE 2021; Statistisches Bundesamt, hitzebedingte Krankenhausbehandlungen und Todesursachen; Robert Koch-Institut, hitzebedingte Mortalität 2023/2024. AIRCHILL: bislang 0 Patienten, keine klinische Wirksamkeits- oder Patientensicherheitsdaten für Hitzschlag.

Modellrechnung · Schädel-Hirn-Trauma

Sehr frühe Neuroprotektion ist plausibel – der klinische Nutzen bleibt aber offen.

Für moderates bis schweres TBI ergibt sich aus deutschen Registerdaten ein Systemrahmen von rund 11.400 Fällen pro Jahr. Für die Szenariorechnung verwenden wir bewusst nur 7.500 potenziell erreichbare schwere Fälle als operative Modellannahme. Entscheidend wäre ein patientenrelevanter funktioneller Endpunkt wie GOSE nach sechs Monaten – nicht allein eine Senkung des intrakraniellen Drucks.

Kleiner Effekt

+1 Prozentpunkt

7.500 × 1 % = 75 zusätzliche Patienten pro Jahr mit günstigem funktionellem Outcome. Als Einjahres-Sensitivität von 20.000–50.000 € je verbessertem Verlauf entspräche das einer gesellschaftlichen Brutto-Größenordnung von 1,5–3,75 Mio. €.

Planungsszenario

+3 Prozentpunkte

225 zusätzliche günstige Outcomes pro Jahr. Einjahres-Brutto: 4,5–11,25 Mio. €. In einem langfristigen, diskontierten Modell liegt die gesellschaftliche Größenordnung bei etwa 56–169 Mio. € pro Jahreskohorte; QALY-Sensitivität rund 1.283 diskontierte QALYs.

Starker Effekt

+5 Prozentpunkte

375 zusätzliche günstige Outcomes pro Jahr. Einjahres-Brutto: 7,5–18,75 Mio. €; langfristige Sensitivität etwa 94–281 Mio. € pro Jahreskohorte.

Signal-basierter Best Case · LTH-1

In der LTH-1-Studie zeigte die vorab untersuchte Subgruppe mit initialem ICP ≥30 mmHg ein günstiges Outcome bei 60,82 % unter längerer milder Hypothermie gegenüber 42,71 % in der Kontrollgruppe – ein beobachteter Unterschied von +18,11 Prozentpunkten. Rein mathematisch auf 7.500 Patienten übertragen entspräche das etwa 1.358 zusätzlichen günstigen Outcomes. Die Einjahres-Kostensensitivität läge bei rund 27–68 Mio. €; ein langfristiges Modell bei grob 340 Mio.–1,02 Mrd. € pro Jahreskohorte.

Best Case, keine Prognose: Die Gesamtstudie zeigte für den primären Outcome keinen statistisch signifikanten Vorteil. POLAR fand keinen Nutzen früher prophylaktischer Hypothermie, und Eurotherm3235 zeigte trotz ICP-Senkung schlechtere funktionelle Ergebnisse. Die Cochrane-Übersicht bewertet die Evidenz für einen generellen Nutzen als sehr unsicher. Diese Spannweite ist deshalb gerade ein Argument für gezielte Patientenselektion, kontrolliertes Rewarming und prospektive RCTs – nicht für einen Wirksamkeitsclaim.

Gesundheitsökonomische Grenze

Europäische Daten zeigen einen starken Kostenanstieg mit TBI-Schwere: intramurale Kosten lagen in CENTER-TBI grob bei 3.800 € für mildes, 37.800 € für moderates und 60.400 € für schweres TBI. Für die Website rechnen wir deshalb nur mit 20.000–50.000 € Einjahres-Belastungsdifferenz je zusätzlichem guten funktionellen Outcome. Das ist eine Sensitivität, keine deutsche GOSE-Erstattung und keine Nettoersparnis.

AIRCHILL-Grenze

Ein möglicher AIRCHILL-TBI-Pfad wäre nur bei intubierten bzw. beatmeten schweren TBI-Patienten plausibel zu prüfen. AIRCHILL hat bislang 0 TBI-Patienten behandelt; kein klinischer Nachweis zeigt einen Vorteil bei GOSE, Mortalität, ICP oder anderen Patientenergebnissen. Bestehende Studien untersuchten andere Kühlverfahren.

Quellenrahmen: TraumaRegister DGU / deutsche TBI-Epidemiologie; Cochrane Review zu Hypothermie nach TBI; POLAR RCT; Eurotherm3235; LTH-1; CENTER-TBI Kostenanalysen. +1/+3/+5 Prozentpunkte, 7.500 erreichbare Fälle und die Kosten-/QALY-Werte sind Szenarioannahmen.

Modellrechnung · Gehirnerschütterung / Concussion

Ein großes Public-Health-Feld – aber kein heutiger AIRCHILL-Use-Case.

Die vorhandenen positiven klinischen Cooling-Daten betreffen selektive externe Kopf-/Nackenkühlung, überwiegend nach Sport-Concussion. Für Deutschland werden etwa 44.000 sportbedingte Gehirnerschütterungen pro Jahr als Größenordnung beschrieben. Diese Population passt deshalb besser zur derzeitigen Evidenz als die wesentlich größere Gesamtzahl leichter TBI.

Kleiner Effekt

+1 Prozentpunkt

440 zusätzliche zeitgerechte Erholungsverläufe pro Jahr. Bei 3.000–15.000 € gesellschaftlicher Belastung je verhindertem verlängerten Verlauf: 1,3–6,6 Mio. € im ersten Jahr.

Planungsszenario

+3 Prozentpunkte

1.320 zusätzliche günstige Verläufe. Modellierte gesellschaftliche Einjahres-Bruttoentlastung: 4,0–19,8 Mio. €; QALY-Sensitivität etwa 26–132 QALYs.

Starker Effekt

+5 Prozentpunkte

2.200 zusätzliche günstige Verläufe. Einjahres-Brutto: 6,6–33 Mio. €. Der wesentliche wirtschaftliche Hebel wäre weniger Produktivitäts- und Arbeitsausfall, nicht primär Akutkrankenhauskosten.

Observational Best Case · Sport-Concussion

Bei schwedischen Elite-Eishockeyspielern lag die mediane Return-to-Play-Zeit nach früher Kopf-/Nackenkühlung bei 9 statt 13 Tagen; länger als 14 Tage fielen 24,7 % gegenüber 43,7 % aus. Die beobachtete Differenz von 19 Prozentpunkten entspräche rein mathematisch etwa 8.360 günstigeren Verläufen, wenn sie bei 44.000 vergleichbaren Fällen reproduzierbar wäre. Die Einjahres-Kostensensitivität läge dann bei etwa 25–125 Mio. €.

Keine Prognose: Diese Studie war nicht randomisiert. Eine neuere randomisierte Multicenter-Studie zeigte zwar eine stärkere Reduktion der SCAT5-Symptomschwere unter selektiver Kopf-/Nackenkühlung, berichtete aber auch mehr unerwünschte Ereignisse im Behandlungsarm. Die Evidenz betrifft Symptomverlauf und Return-to-Activity – nicht Mortalität oder Vermeidung schwerer Behinderung.

Klare Produktgrenze

Typische Concussion-Patienten sind wach und benötigen keine invasive Beatmung. Deshalb ist Concussion keine aktuelle AIRCHILL-Indikation. Das Thema gehört als separates zukünftiges Forschungsfeld für nicht-invasive bzw. selektive Kühltechnologien auf die Website – nicht als respiratorischer Produktclaim.

Quellenrahmen: deutsche Angaben zu sportbedingten Gehirnerschütterungen; randomisierte Studien zur selektiven Kopf-/Nackenkühlung nach Sport-Concussion; schwedische Return-to-Play-Kohorte; europäische mTBI-Kosten- und Produktivitätsdaten. Die +1/+3/+5-pp- und Kostenwerte sind Modellannahmen.

Projekte

Von Neuroprotektion bis Verletzungserkennung.

Unsere Projekte verbinden praktische Problemstellungen mit technischer Entwicklung und wissenschaftlicher Evaluation.

Medizintechnik

Medicalcooling

Forschung und Entwicklung rund um frühe, gezielte Kühlung und Neuroprotektion in der Notfallmedizin.

medicalcooling.com →

Diagnostik

InjuryDetector

Ein eigenständiges Innovationsprojekt aus unserem Umfeld mit Fokus auf Verletzungserkennung.

injurydetector.com →

Praktische Innovation

GritArmor

Ein eigenständiges Projekt mit Fokus auf Schutz, Belastbarkeit und praktische Innovation.

gritarmor.com →

Open Source

Entwicklung nachvollziehbar machen.

Ausgewählte Software-Projekte veröffentlichen wir offen auf GitHub. So können Code, Entwicklungsstand und technische Ansätze transparent nachvollzogen werden.

WebsiteToJSON

JavaScript-Preprocessing für strukturierte Website-Daten in KI-Workflows.

Repository →

MCPWebserver

Minimaler PHP-Webserver als Grundlage für KI-gestützte MCP-Website-Workflows.

Repository →

Weitere Projekte

hoop-stats-analyzer, ScanCleaner, ClaudeWebsiteTools und neue öffentliche Entwicklungen.

GitHub-Organisation →

Aktuell · August 2026

Innovationsspur für die medizinische Notfallrettung.

Unsere Stellungnahme zur Reform der Notfallversorgung schlägt einen produktneutralen Weg vor, mit dem neue präklinische Untersuchungs- und Behandlungsmethoden wissenschaftlich kontrolliert erprobt werden können.

Neu: Landkreis-Abrechnungsatlas Rettungsdienst

Die Finanzierung und Beschaffung im Rettungsdienst endet nicht an der Bundeslandgrenze. Der neue Atlas trennt auf Landkreis-/kreisfreier-Stadt-Ebene Rettungsdienstträger, Gebührensatzung, RTW-/NEF-Entgelt, Kostenträgerlogik, Beschaffungszuständigkeit, Aktualität und Quellenstatus.

Deutschlandkarte öffnen →

Erprobung ermöglichen

Innovation im Rettungsdienst braucht einen realistischen Zugang zu kontrollierten Studien.

Finanzierung mitdenken

Notwendige präklinische Leistungen sollten nicht allein an ungeklärten Vergütungswegen scheitern.

Keine Abkürzung

Kein automatischer Marktzugang: Patientensicherheit, wissenschaftliche Prüfung und belastbare Evidenz bleiben entscheidend.

Stellungnahme lesen →

Global Activities

Kooperation über Standorte hinweg.

Unsere Aktivitäten und Kontakte verbinden Forschung, Entwicklung, Veranstaltungen und Kooperationen in mehreren Ländern.

BerlinDeutschland
HamburgDeutschland
LissabonPortugal
San DiegoUSA
EindhovenNiederlande
QingdaoChina
TaipeiTaiwan
BragaPortugal
Direkt sprechen

Termin mit Fabian Temme buchen.

Der frühere Ethical-Saving-Terminplaner ist wieder verfügbar – jetzt auf einer eigenen, übersichtlichen Terminseite.

Termin auswählen →

30 Minuten · TidyCal

Die Terminseite lädt den externen Kalender erst nach Ihrer aktiven Auswahl. Alternativ können Sie TidyCal direkt öffnen.

TidyCal direkt öffnen →